Frühjahresputz! Gedankenraum

Über therapeutisches Rasenmähen und die Sorge, nichts zu sagen zu haben

Wie du entweder weißt oder leicht sehen kannst, gibt es diesen Blog noch gar nicht so lange. Und bevor es ihn gab, brauchte ich eine ganze Menge Motivatoren, um diesen Schritt überhaupt zu tun.

Mein größter Gegner waren und sind dabei meine Glaubenssätze. (Lustigerweise wusste ich bis vor etwa einem Jahr noch nicht einmal, was Glaubenssätze sind. Falls es dir heute geht wie mir vor einem Jahr: Glaubenssätze sind, salopp gesagt, der ganze Mindfuck, der sich während deines Lebens in deinem Gehirn eingenistet hat und dir von dort aus jederzeit und in schöner Regelmäßigkeit frustrierende Botschaften sendet – die du entweder in deiner Jugend zu hören gekriegt hast oder dir selbst kräftig einredest.)

Hosen runter: kleine Auswahl meiner stärksten Glaubenssätze gefällig?

„Auf dich haben sie ja nun nicht gerade gewartet!“

„Du weißt doch überhaupt nicht genug, um  für irgendwen über irgendein Thema zu schreiben!“

„Das kannst du doch ohnehin nicht richtig!“

„Dich kann man gar nicht richtig gerne haben!“

„Du bist viel zu schwierig!“

und immer wieder der beliebte Klassiker „Du bist doch gar nicht gut genug!“

(Damit das klar ist: das soll KEIN fishing for compliments werden! 😉 )

Von manchem weiß ich, wie es in mein Hirn kommt, von manchem nicht – und letztlich ist es auch egal. Ich bin mir sicher, du hast mindestens eine genauso „interessante“ Kollektion in deinem eigenen Kopf.

Vermutlich gehört der Kampf mit deinen Glaubenssätzen zu einem Leben mit Gehirn irgendwie dazu.

Der Clou ist: auch Glaubenssätze sind nur Gedanken. Wie auf alles, was du siehst, hörst oder sonstwie an Information wahrnimmst, kannst du auf sie reagieren – oder eben nicht. Du musst nicht um alles etwas geben, was dir durch den Kopf geistert. Gedankliche Mülltrennung ist genauso wichtig wie die physische im richtigen Leben. Genauso wie du nicht jeden Mist kaufst, bloß weil du es könntest, musst du nicht alles glauben, was dein Kopf dir vorspukt, bloß weil es möglich wäre. Das zum ersten Mal zu hören war für mich die reinste Wohltat – und in der Theorie machte es komplett und beim ersten Hören Sinn.

Doch dann kommt die Praxis – und wir alle vermutlich zu dem Fazit: Leichter gesagt als getan!

Aber weißt du, wie absurd deine Glaubenssätze plötzlich wirken können, wenn du sie auf die Spitze treibst und jeden noch fieseren, der dir einfällt, bejubelst und beklatscht?

Im Juli letzten Jahres machte ich den so lustigen wie lehrreichen Workshop JobUtopia von Veit Lindau mit. Im Rahmen einer Übung rückten dort wir unseren limitierenden Glaubenssätzen zu Leibe: wir erstellten eine wahrhaft sportliche Kollektion unserer fiesesten Mindfucker. Ich kann dir nur raten, das mal in einer größeren Gruppe auszuprobieren: du drehst die Arschkrampen in etwas zum Lachen um und nimmst ihnen damit jede Glaubwürdigkeit.

Aber was, wenn du dann wieder alleine zu Hause bist und sie dich überfallen? Und du keine motivierende, lustige Gruppe an deiner Seite hast?

Gestern war es bei mir mal wieder soweit: meine entmutigenden Glaubenssätze kamen aus allen Ecken und stänkerten mich an. „Welches Problem willst DU denn lösen?“ schwirrte mir durch den Kopf und mein alter Bekannter „Was hast du denn schon zu sagen, was irgendjemand lesen will?!“

Weißt du, was da hilft?

Mir hilft dann: Rasenmähen. Auch gestern wieder. Ich holte, sobald ich zu Hause war, das laute Benzinungetüm an und schob mich durch unsere maigrün explodierende Wiese. Mit jeder akkurat gerade gemähten Bahn beruhigten sich meine schwirrenden Gedanken, legte sich die Panik, ein Loser zu sein. Ich sah: Ergebnisse meiner Arbeit. Ich spürte meine Arme. Das Rasenmähen war ungeheuer beruhigend, schaffte mir einen Abstand zu meinem Gedankenkarussell – und einen Beweis meiner Selbstwirksamkeit.

Wenn du die Glaubenssätze nicht einfach ignorieren oder ad absurdum führen kannst, probiere es mit Ablenkung. Mit körperlicher Arbeit.

Irgendwann, als ich keine Lust mehr auf gerade Bahnen hatte, fing ich dann an, Kreise und Bahnen in die Wiese zu fahren. Mir gefiel plötzlich der Gedanke sehr, dass das ganze Dorf sich über meine expressionistische Gartengestaltung freut und nachzieht. Der Größenwahn hatte die Kleinmacher endgültig besiegt. 🙂

Natürlich sind diese Gedanken nach solchen Manövern immer noch in unserem Kopf, und da werden sie auch bleiben. Aber wir können ihnen die Kraft nehmen und die Macht, die sie über uns haben.

Wenn also deine negativen Glaubenssätze das nächste Mal über dich hereinbrechen: betrachte sie mal aus der Distanz. Sie wollen dich ärgern – ärger sie zurück, indem du sie nicht mehr für bare Münze nimmst. Mach dir klar, dass sie nicht wahr sind und du ihnen nicht glaben musst. Mach etwas, das dich ablenkt, Erfolg verspricht, dich stärkt und sie entkräftet – und dich wieder auf andere Gedanken bringt. Alles ist besser, als dich von ihnen runterreden und kleinkriegen zu lassen.

Wir alle haben diesen Quatsch im Kopf. Wichtig ist, dass du weißt, dass es nur negative Glaubenssätze sind.

Welche Fieslinge piesacken dich von Zeit zu Zeit? Magst du sie ins Glaubenssatz-Ranking führen? 😉

Beitragsbild: privat.

 

 

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