Wohnraum

So machst du aus deinem Raum deine Kreativzone!

Wie wäre es, wenn du beginnst, deinen Raum als dein Atelier, dein kreatives Zentrum zu sehen?

Ich liebe IKEA. Aber ihr System ist manchmal auch absurd: wir kaufen erst ganz viel Zeug, dann fühlen wir uns schlecht, weil es unordentlich – oder einfach voll! – ist zuhause, und dann gehen wir los und kaufen schöne Schächtelchen, um die zu vielen Sachen schick einzupacken.

Für mich ist die Vorstellung von vielen Schächtelchen ein kleiner Alptraum: a) zeigt es mir nur, dass ich viel zu viel Zeug habe, und b) will ich die Dinge benutzen und nicht einlagern. Und nicht mehr Zeit auf korrektes Einlagern aufwenden als aufs Benutzen. Das führt bei mir nämlich dazu, dass ich die Sachen im Schächtelchen entweder vergesse oder nicht benutze, weil mich das Wieder-weg-räumen schon zu Beginn gruselt.

Kennst du das? Lust auf eine andere Idee?

Wie wäre es, wenn du beginnst, deinen Raum als dein Atelier, dein kreatives Zentrum zu sehen? Zum Beispiel so:

 

1) Du bist, wie jeder Mensch, schöpferisch – es macht uns alle einfach glücklich, etwas zu (er)schaffen, egal ob es ein Kunstwerk, eine Torte, ein Brief oder eine Playlist ist. Schaffe also in jedem Raum mindestens eine Kreativzone. Eine Kreativzone kann alles sein, vom Zettelblock mit Stiften über ein Flipchart oder eine Wandtafel bis zu einem riesigen Werkstatt-Tisch – je nachdem, wie du dich am liebsten ausdrückst. Lass keine deiner Ideen verloren gehen – schreib oder male sie auf und sorg dafür, dass das überall geht. Horror, wenn du dafür erst in einem schönen Schächtelchen nach dem Block kramen musst…und in einer anderen Büchse nach dem Stift…einem funktionierenden Stift…

2) Mach dich frei von dem Gedanken, nach jedem Schaffen aufräumen zu müssen. Deine Wohnung ist dein Reich, dein Rückzugsort und dein kreatives Zentrum. Hier lebst du für dich und nicht für die anderen. Das Team von „Schöner Wohnen“ kommt heute eher nicht vorbei und genausowenig die Jury für die Preisverleihung „vorbildlichste Hausfrau“. (Ich rede von „müssen“, nicht von „gerne tun“!) Entspann dich und lass deine Sachen dort, wo du sie brauchst. Du nutzt sie eher wieder, als dass der nächste Besuch vor der Tür steht – der dein Schaffen mit Sicherheit übrigens spannend findet! (Wenn nicht: was zur Hölle machen diese Leute dann bei dir?)

3) Raus mit allem, was dich hindert. Auf das Thema Ausmisten komme ich in diesem Blog sicher noch häufiger zu sprechen. Es ist mein voller Ernst: was dich hindert, fliegt raus. Und damit meine ich mentales Hindern in Form von schlechten Erinnerungen, Höflichkeitsaufbewahrungen und sentimental machenden Vergangenheitsdingen genauso wie zugeramschte Ecken, in die kein Licht und keine Luft kommt. Du brauchst Platz. Weg mit dem, was dir den Platz nimmt.

4) Besorge dir einen Vorrat an Tesa-Krepp, Masking Tape und Post-It-Zetteln. Warum? Weil du sie wirklich ÜBERALL ankleben und problemlos wieder entfernen kannst. Von allen Türen, Schrankfronten, tapezierten Wänden und Fenstern. Und dann hau sie voll, die Wände! Pack dir ins Auge, was dich inspiriert. Was du sehen willst. Womit wir direkt zum nächsten Punkt kommen:

5) Bau dir mindestens ein Visionboard. Nimm eine deiner Wände und bringe ein großes Stück Geschenk- oder Packpapier an – oder eine Styroporplatte. Hier sammelst du deine Träume: alles, was dich beflügelt, was du erreichen willst, was dein Herz zum Jubeln bringt – sammeln! Und ganz wichtig: öfter mal dort stehenbleiben und dich in diese Dinge hineinträumen. Und dann fragen: wie kann ich das realisieren? Ist es wirklich „nur“ ein Traum?

6) Vergiss den Satz „ich kann aber doch gar nicht zeichnen“ und geniere dich auf keinen Fall NIEMALS VOR IRGENDWEM für deine Atelierwohnung. Es gibt nichts Spannenderes, als einem Menschen ins Skizzenbuch zu gucken oder eben in die Skizzenwohnung. Du glaubst nicht, wie beflügelnd deine Ideen auf deine Besucher wirken werden. Auf jeden Fall tausendmal interessanter als eine tiptop aufgeräumte Wohnung mit vielen schönen bunten Schachteln.

Teil deine kreativen Zonen mit uns! Ich bin gespannt 🙂

 

 

Merken

  1. Hallo Sonja,
    was für ein entspannender Artikel. So wie Hochglanzmagazine samt Photoshopmodels einem ins Fitnesscenter oder in die Joggingschuhe treiben (was ja durchaus sehr sinnvoll ist 😉 ) bringen mich Wohnzeitschriften ab und an in einen Aufräumwahn. Ganz schlimm sind Fernsehbeiträge über Traumhäuser. Die Steigerung ist nur noch, wenn man live dabei ist und als Redakteur von einem Traumhaus in das nächste marschiert (ich weiß wovon ich spreche, nachdem ich jahrelang ein Wohnmagazin betreut habe) sich danach zum kreativen Chaos zu bekennen ist so eine Sache 😉 das geht nach deinem Blogbeitrag schon viel besser. DANKE

    • Hey Adriane,
      das freut mich sehr! 🙂 Vertraut, von diesen Auswirkungen der Traumhäuser zu hören – scheinbar kennt fast jeder von uns diesen Zwiespalt zwischen “so toll wohnen die anderen” und “ich krieg´s irgendwie selber nicht so hin” – und wir mitten drin in Architektur- und Wohnthemen erst recht 😉 Ideenheld zu sein hat per se, glaube ich, viel mit kreativem Chaos zu tun – gut so! 🙂 Danke für dein Feedback!

  2. Hallo Sonja, schön geschrieben und für mich als „Schlampe“, was meine Wohnung betrifft, eine echte Wohltat 😉 Ok, mir ist schon klar, dass das jetzt kein Freibrief für das totale Chaos sein soll (das totale Chaos herrscht bei mir auch zum Glück nicht, aber die Sachen liegen schon eher da, wo sie gebraucht werden als „aufgeräumt“ in Schächtelchen). Man kann es halt mit der Ordnung übertreiben. Es gibt ja diese IKEA-Werbung, in der der Herr der Schöpfung lieber vom Gürtel bis zur Uhr erstmal fein säuberlich alles aufräumt statt zu der heißen Frau ins Bett zu kommen, für mich die totale Anti-Werbung ;-)) Ich bin zwar manchmal neidisch, wenn ich eine Bekannte besuche, die diesen Tick mit Schächtelchen ausgiebig pflegt, das sieht so schick und aufgeräumt aus. Aber wenn ich drüber nachdenke, würde es mich echt nerven, mir ständig merken zu müssen, in welchem Schublädchen welches Utensil versteckt ist, das würde dann ohnehin hin und herwandern und ich würde am Ende garnichts mehr finden… Jedenfalls würde das einfach nicht zu mir passen. Dann lieber kreative Halbordnung und öfter mal Sachen entsorgen, die nicht mehr gebraucht werden.

    Toller Blog übrigens und deinen Schreibstil finde ich sehr angenehm!

    • Hallo Julia,

      juhu, mein erster Kommentar! 🙂 Ganz ganz lieben Dank dafür! Ich musste sehr lachen wegen der IKEA-Werbung – da bin ich komplett bei dir. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mich wirklich zu meinem „kreativen Chaos“ bekennen konnte, und ich gucke auch immer sehr gerne Fotos von schönen Räumen, in denen alles an seinem perfekten Platz ist…aber leben könnte ich darin nicht! Ich miste rigoros aus – meine wichtigste Prävention gegen „totales Chaos“ – aber das, was ich habe und nutze, muss da sein, wo ich es brauche, und meine Ideen wollen ihren Raum haben :).
      Danke dir auch sehr für das Kompliment zum Blog! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.